Natascha Kampusch und kein Ende!
Beinah sechs Jahre nach der gelungenen Flucht von Natascha Kampuschs aus dem Kerker Prikopils, beschäftigt Österreich immer noch dieser Entführungsfall! Nach den jüngsten Meldungen über diesen mehr als mysteriösen Fall, steht scheinbar unsere Republik vor mehr Fragezeichen denn je!
SOS-Österreich hat einige dieser neuen Rätsel zusammengestellt:
Nach offizieller Version hatte sich der Täter am 23. August 2006, kurz nachdem Kampusch aus ihrer über achtjährigen Gefangenschaft geflohen war, vor einen Zug geworfen.
Doch die Untersuchungen der Wiener Kommission, die Ende März wohl ihre Erkenntnisse veröffentlichen wird, bestärken den Verdacht, Priklopil habe nicht allein gehandelt: Womöglich habe ihm jemand bei seinem angeblichen Freitod geholfen oder er sei gar getötet worden. Der zweite Mann könnte ein Komplize sein, der an der Entführung beteiligt war.
“Aus meiner Sicht ist eine Einzeltätertheorie nur schwer aufrechtzuerhalten”, sagte der Vorsitzende des Ausschusses, Werner Amon, dem SPIEGEL: “Zum ersten Mal liegen uns sämtliche Kampusch-Akten, sowie alle Bild- und Tondokumente vor, darunter auch Material, das dem früheren Ermittlungsausschuss des Innenministeriums nicht zur Verfügung stand.”
Fotos des Priklopil-Leichnams zeigen einen nahezu unversehrten Körper, mit abgetrenntem Kopf. Experten zufolge hätte die Leiche jedoch zerfetzt sein müssen, wenn der Kampusch-Entführer tatsächlich von einem Zug erfasst worden wäre. Der Bahnangestellte, der den Körper fand, soll nie befragt und eine umfassende Obduktion nicht vorgenommen worden sein. Auch der mutmaßliche Abschiedsbrief, den der Entführer nach der Flucht seines Opfers zu schreiben begann, könnte nicht aus dessen Feder stammen. Die Anrede “Mama”, das einzige handschriftliche Wort auf dem Blatt, könnte von Priklopils bestem Freund geschrieben worden sein. Der will sich dazu nicht äußern.
Der Ausschussvorsitzende Amon betont, dass er kein Anhänger von Verschwörungstheorien sei: “Doch es gibt ein dickes Dossier über unterlassene Ermittlungsschritte. Die volle Wahrheit muss nun ans Licht.”
Priklopil war kein Einzeltäter
Am 2. März 1998 wurde Natascha Kampusch in Wien entführt. Beobachtet wurde das Verbrechen von einem damals 12-jährigen Mädchen, das sofort Freundinnen, ihrer Lehrerin und ihrer Mutter davon erzählte. Schon am folgenden Tag sagte Ischtar A. zum ersten Mal bei der Wiener Polizei aus.
Das Schweizer Nachrichtenportal “20minuten.ch” zitiert nun aus den Vernehmungsprotokollen. Sie habe gesehen, wie ein Mädchen an einem großen, weißen Auto mit schwarzen Scheiben vorbeiging. Am Steuer des Autos saß ein Mann, dessen Gesicht sie nicht sehen konnte, weil es von ihr abgewendet war. Plötzlich öffnete sich die Schiebetür des Autos und das Mädchen (Anm.: Natascha Kampusch) wurde an beiden Armen rückwärts ins Auto gezerrt. Die Zeugin schätzte das Alter des Mannes, der Kampusch ins Auto zog auf etwa 30. Er hatte schwarzes, kurzes Haar. Schon bei dieser ersten Befragung sagte die Zeugin aus, dass es sich mit Sicherheit um zwei Entführer gehandelt habe.
Aussage bestätigt
Nach der Flucht von Natascha Kampusch am 23. August 2006 identifizierte die Zeugin den Entführer als Wolfgang Priklopil. Allerdings bestand sie trotz gegenteiliger Aussage von Kampusch darauf, dass sie zwei Entführer gesehen habe. Immer wieder wurde die Zeugin vorgeladen und dazu befragt, immer wieder sprach sie von zwei Entführern.
Am 3. Dezember 2009 kam es zu einer Gegenüberstellung von Kampusch mit der Zeugin. In den offiziellen Dokumenten zu diesem Treffen heißt es, die Zeugin habe eingeräumt, dass sie sich geirrt haben könnte, was den zweiten Täter betrifft, berichtet “20minuten.ch”.
Unter Druck gesetzt
Am 29. Juli sollte die Zeugin schließlich vor einem Gericht in Innsbruck in einem Verfahren gegen fünf Staatsanwälte wegen Amtsmissbrauch im Fall Kampusch aussagen. Unter Eid gab sie an, dass sie auch bei der Gegenüberstellung immer bei ihrer Zwei-Täter-Aussage geblieben ist. Angeblich hätten sie die Polizisten unter Druck gesetzt, dass sie niemandem vom zweiten Täter erzählen dürfe, weil dies schlecht für den Fall sei, so “20minuten.ch”.
Sollte es tatsächlich einen zweiten Täter geben, ist dieser immer noch auf freiem Fuß. Dass die Polizei sich so strikt weigert, an einen zweiten Täter zu glauben, nähre die Gerüchte um “etwas Größeres”, das hinter der Entführung stecke, mutmaßen die Schweizer.
Heute berichtet “20minuten.ch”:
Die Bombe liegt im Parlamentskeller
Peter Pilz, Nationalratsabgeordneter der Grünen, bringt die aktuelle Stimmung Österreichs im Fall Kampusch auf den Punkt: «Uns interessiert, warum die Polizei versagt hat, warum die Staatsanwaltschaft versagt hat, warum die Aufklärung politisch behindert worden ist und warum sich zumindest die Spitzen der Polizei dem politischen Druck mehrerer Innenminister gebeugt haben». Und tatsächlich, die Liste der Fehler und Ungereimtheiten ist lang.





















