
Beim Front National tritt die dritte Generation an: Marion Le Pen kandidiert bei den Parlamentswahlen in der Provence. Sie ist erst 22-Jährig und die Nichte von Marine Le Pen , die bei den Präsidentschaftswahlen kandidierte.
13 Prozent Arbeitslose zählt das Department Vaucluse, mehr als der französische Schnitt. Auf den Melonenfeldern und in den Kirschbaumhainen dominieren die Arbeiter aus Nordafrika, an den Wahlurnen die Rechten. Die Dame mit den Pudeln weiss noch nicht so recht, wem sie am Sonntag die Stimme geben soll. Die beiden Hauptkandidaten für einen Sitz in der Pariser Nationalversammlung vertreten politisch ähnliche Positionen rechts aussen. Persönlich könnten sie aber nicht unterschiedlicher sein.
Jean-Michel Ferrand, ein 70-jähriger Politfuchs mit rotbraun gefärbten Haaren, gehört zur «Droite populaire», das heisst zum rechten Flügel der konservativen Partei UMP. Der seit 1988 wiedergewählte Abgeordnete beschenkt die Wähler und boykottiert die Journalisten. Dem Platzhirsch tritt eine Jurastudentin aus Paris entgegen, Marion Maréchal-Le Pen. Die 22-jährige Nichte von Marine Le Pen und Enkelin des Parteigründers Jean-Marie Le Pen hat laut der Lokalpresse gute Chancen, zusammen mit Ferrand in die Stichwahl vorzustossen.
Schaffte es nicht, einen Einheitskandidaten zu portieren
Die Linkskandidaten sind Statisten dieses Duells. «Alle reden nur von Marion», meint die Sozialistin Catherine Arkilovitch kopfschüttelnd. «Dabei verschärfen sich hier die sozialen Gräben.» Ein Viertel der Erwerbstätigen, vor allem Frauen und Immigranten, verdienten weniger als 850 Euro, lebten also unter der offiziellen Armutsgrenze, meint die Psychologin. «Diese Nordafrikaner machen Feldarbeiten, die die Franzosen nicht ausüben wollen. Aber diese wählen trotzdem Front National, um die Ausländer aus dem Land zu werfen.»
Anständig, fast schüchtern
Marion Le Pen,Tochter einer Schwester von Marine und eines ehemaligen Frontisten, beackert derweil den Wochenmarkt in Monteux, einem Vorort von Carpentras. Die schlanke Blonde mit dem mädchenhaften Teint verteilt Flugblätter mit Forderungen wie «Stopp der Immigration», «Nulltoleranz für Delinquenten» oder «Ende der Straflosigkeit für die Schiebereien der Politeliten». Gegenüber den Marktbesuchern vermeidet sie solche bösen Worte. Anständig, fast etwas schüchtern, tauscht sie Wangenküsschen mit Marktbesuchern, die ihre politische Gesinnung dadurch offen zum Ausdruck bringen. «Ich habe schon für ihren Grossvater und ihre Tante gestimmt», erklärt eine Verkäuferin, Marion eine Kiste mit Bonbons hinhaltend. Ein älterer Maghrebiner, dem Le Pen ebenfalls ein Flugblatt hinstreckt, lehnt dankend ab, die chinesische Pouletverkäuferin will hingegen mit der Kandidatin aufs Bild.
«Wir sind die neue Generation des Front National!»
Rassistische oder auch nur fremdenfeindliche Parolen hört man von ihr nicht. Dafür applaudiert die charmante Enkelin begeistert, als ihr Opa Le Pen auf der Bühne gegen die Immigranten giftet, die «nicht ganz» Franzosen werden, selbst wenn sie die Staatsbürgerschaft erhalten. Oder als der FN-Chef lästert, Marseille sei «keine europäische Stadt mehr».
Quelle….
Erst vor ein paar Tagen berichteten wir über die Forderung der jungen Le Pen: “Volksabstimmung über Einwanderung”- und schon wurde auch die österreichische Presse auf diese Jung-Politikerin aufmerksam.
Im rosa Blatt kommt Marion Le Pen in einem Interview zu Wort:
Ich kam zum Front National, als ich 17 Jahre alt war. Ich habe meine Leidenschaft für die Politik und für Frankreich von meiner Familie geerbt.
Sie kommen aus dem fernen Paris in einen Ihnen unbekannten Wahlkreis in Südfrankreich, in die Vaucluse …
Le Pen: Warum werfen die Medien mir das vor, nicht aber François Hollande, dessen Wahlkreis in der Corrèze ist, ohne von dort zu sein? Die Zeiten sind hart, meine Partei braucht alle verfügbaren Leute, vor allem Frauen. Die bürgerliche UMP und die Sozialisten halten sich nicht einmal an die obligatorische Geschlechterparität.
Was wollen Sie für Ihren Wahlkreis tun, den Sie gar nicht kennen?
Le Pen: Bei den Wahlen für die französische Nationalversammlung geht es nicht um lokale Straßenbahnlinien oder dergleichen, sondern um ein großes nationales Vorhaben.
Wie ist Ihre Position in Sachen Immigration? (eine typische linkspopulistische Frage!)
Le Pen: Ich bin gegen die illegale Immigration und möchte die legale beschränken. Wie nötig das ist, zeigt sich gerade hier in meinem Wahlkreis, wo die Leute von der Einwanderung aus Nordafrika überflutet werden. Ich weise aber den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit zurück. Wir sind eine rechtsnationale Partei.
Wie ist es, den Namen Le Pen zu tragen?
Le Pen: Eine Last und eine Ehre. Ich wurde deswegen schon angespuckt. Aber ich bin sehr stolz, auf der Linie meines Großvaters und meiner Tante weiterzumachen.
Teilen Sie deren Meinungen voll und ganz?
Le Pen: Ich denke selbstständig. Anders als mein Großvater bin ich nicht unbedingt für die Todesstrafe, sondern für ein Referendum zu diesem Thema.
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