Wir empfehlen wieder einmal vor dem Lesen zur Flasche zu greifen – es ist Zeit für einen Magenbitter…..
Seit rund zwei Jahren sitzen in Hamburg zehn somalische Piraten in Untersuchungshaft. Sie hatten einen deutschen Frachter überfallen. Nun wurden die drei jüngsten Angeklagten freigelassen. Auf sie wartet ein Kulturschock in der Hansestadt – sie müssen deutschen Alltag üben.
Die Piraten kurz nach ihrer Festnahme
Die drei jungen Männer waren am 5. April 2010 nach dem Überfall auf den Frachter “Taipan” von schwer bewaffneten niederländischen Marinesoldaten festgenommen und den deutschen Behörden übergeben worden. Sie hätten mit dem Überfall den Seeverkehr angegriffen und erpresserischen Menschenraub begangen, sagte ein Gerichtssprecher.
Staatsanwältin Friederike Dopke hatte sich noch heute gegen die Aufhebung der Haftbefehle gewandt. Ihr Argument: es bestehe Fluchtgefahr. Dopke hatte bereits am 25. Januar ihr Plädoyer gehalten und darin hohe Haftstrafen wegen Angriffs auf den Seeverkehr und erpresserischen Menschenraub gefordert: zwischen sieben und elfeinhalb Jahren für die Erwachsenen, fünfeinhalb Jahre für die beiden Heranwachsenden, vier für Abdiwali M., den einzigen Angeklagten, der beim Überfall noch ein Jugendlicher war. Doch noch bevor es zum Urteil kommen konnte, hatte der Mammutprozess, der ursprünglich nur auf vier Monate angesetzt war, einmal mehr eine überraschende Wendung genommen: Ein Angeklagter gab Details des Überfalls preis. Daraufhin setzte der Vorsitzende neue Termine bis Ende Mai an.
Vom kommenden Montag an werden Abdiwali M. und die anderen beiden jungen Piraten das Gericht jedoch ohne Handschellen betreten, als freie Männer, durch die Vordertür. Für die jungen Somalier bedeutet die Freiheit einen Kulturschock. In ihrer Heimat herrscht seit über 20 Jahren Bürgerkrieg, es gibt dort keine funktionierende Infrastruktur, keine Ordnungshüter, keine Gerichte.
Bisher war die Freilassung der drei jüngsten Angeklagten daran gescheitert, dass aus Sicht des Gerichts keine angemessene Bleibe für die jungen Seeräuber gefunden werden konnte. Nun ist Abdiwali mit den anderen beiden jungen Angeklagten in einer Jugendhilfe-Einrichtung in St. Pauli untergebracht, auf Staatskosten. Er wird weiter Deutsch lernen und das U-Bahn-Fahren üben.
Verteidiger Pohlen hält es für unwahrscheinlich, dass sein Mandant nach der Verurteilung noch einmal ins Gefängnis zurückmuss, denn die zwei Jahre Untersuchungshaft werden mit seiner Strafe verrechnet.
“Abdiwali ist ein freier junger Mann, er muss sich dem Verfahren weiter stellen, aber er kann ansonsten gehen, wohin er will”, sagt Pohlen. Was er jetzt mit seinem Mandanten vorhabe? “Erst mal ein Eis essen gehen und ihm die Stadt zeigen, die er nur aus dem Fernsehen kennt.”
Unser Tipp an die Glücklichen: Anheuern bei der deutschen Piraten-Partei!





















